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Nach Twitter ist nun auch Facebook gegen die QAnon-Bewegung vorgegangen, die Verschwörungstheorien verbreitet und US-Präsident Donald Trump unterstützt. Facebook teilte mit, man habe fast 800 Gruppen mit Verbindungen zu QAnon aus seinem Netzwerk entfernt.

Facebook geht gegen QAnon-Inhalte vor. Eine Zwischenbilanz: Rund hundert Seiten und etwa 1.500 Anzeigen mit Verbindungen zu der Bewegung und mehr als 300 Hashtags mit Bezug zu QAnon auf Facebook und Instagram wurden beseitigt – für mehr als 1.950 Gruppen und 440 Seiten auf Facebook sowie mehr als 10.000 Instagram-Konten sind Restriktionen wegen Verbindungen zu der Bewegung in Kraft gesetzt worden. Das hat Facebook mitgeteilt.

Zuvor hatte Twitter Konten gesperrt

Tausende Accounts der Bewegung sind schon gesperrt, Zehntausende sollen folgen – das hatte Twitter zuletzt angekündigt.

Der Grund: QAnon verbreitet erfundene Geschichten, die direkt aus dem Mittelalter kommen könnten und verfolgt Andersdenkende.Genauer: Es geht um das Blut von Kindern, Unterstützung für US-Präsident Donald Trump – und natürlich die ganz große „Verschwörung“ der demokratischen Kräfte: Die wirren Erzählungen, die die Verschwörungsbewegung QAnon verbreitet, sind für viele einfach nur lächerlich. Für andere nicht. Einige von denen mischen sich beispielsweise bei Demos gegen Corona-Maßnahmen gern unters Volk.

Tausende Accounts von QAnon-Fans gesperrt

Twitter, das bereits am 11. Juli Konten der Identitären Bewegung gesperrt hatte, weil sie Gewalt und Terrorismus verherrlichten, geht jetzt im großen Stil gegen die QAnon-Bewegung vor.

Mehr als 7.000 Accounts, die QAnon-Unterstützern zugerechnet würden, seien in den vergangenen Wochen dauerhaft gesperrt worden, sagten Twitter-Sprecher dem Fernsehsender CNBC und der New York Times. Die Verbreitung der Inhalte von rund 150.000 weiteren Profilen werde eingeschränkt.

Twitter: Koordinierte Drangsalierung Andersdenkender

Ihr Verhalten könne Schaden im realen Leben anrichten, erklärte der Twitter-Sprecher zur Begründung in der Nacht zum Mittwoch. So hätten in den vergangenen Wochen die von solchen Konten ausgehenden Formen der koordinierten Drangsalierung anderer Menschen zugenommen.

Jemand verdeckt seinen Kopf hinter dem Verschwörungsgeschichten-Buch und Amazon-Bestseller „Qanon - An Invitation to the Great Awakening“. (Foto: Imago, imago images / Future Image)
Jemand verdeckt seinen Kopf hinter dem Amazon-Bestseller „Qanon - An Invitation to the Great Awakening“. Darin werden die Verschwörungsmärchen der Bewegung ausgebreit. Imago imago images / Future Image

QAnon: Obama und Clinton leiten eine kriminelle Organisation

Zu den von QAnon-Anhängern verbreiteten Behauptungen gehört unter anderem, dass es eine Verschwörung gegen US-Präsident Donald Trump in den tieferen Schichten des amerikanischen Regierungsapparats gebe.

Die Vereinigten Staaten würden von einer kriminellen Organisation beherrscht, der beispielsweise die früheren Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama angehörten, der Milliardär George Soros sowie diverse Hollywoodstars – vermutlich alle, die den Irrsinn nicht glauben. Viele QAnon-Botschaften haben außerdem antisemitischen Charakter.

Trump lobt Unterstützung von QAnon-Bewegung

Trump sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, er wisse nicht viel über QAnon. Doch habe er mitbekommen, dass die Anhänger der Bewegung „mich sehr mögen, was ich zu schätzen weiß“. Er habe gehört, „dass dies Leute sind, die unser Land lieben“, sagte der Präsident.

Behauptung: Demokraten nutzen Hormone aus dem Blut von Kindern

Noch eine ihrer Behauptungen: Prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA ließen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden.

Im Mittelalter wurden mit derartigen Lügengeschichten Pogrome gegen Juden ausgelöst. Viele fragen sich, ob QAnon es nicht auch vor allem auf Gewalt abgesehen hat.

„Pizzagate“-Lüge lässt grüßen

Damit knüpfte QAnon an die „Pizzagate“-Episode aus dem Jahr 2016 an. Damals rückte ein bewaffneter Mann in eine Pizzeria in Washington ein, nachdem er im Netz gelesen hatte, dass diese als Tarnung für ein von Trumps damaliger Gegenkandidatin Hillary Clinton und anderen Demokraten betriebenes Pädophilen-Netzwerk dienen solle.

QAnon-Symbole wurden in den vergangenen Jahren von Anhängern immer wieder in die Kamera bei Auftritten von Trump gehalten. Unterstützer der Theorien sind inzwischen auch verstärkt in der Republikanischen Partei aktiv.

Faktenchecks zu Verschwörungstheorien findet Ihr unter anderem hier:

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Twitter erklärte, mit QAnon verbundene Inhalte sollen nicht mehr in Trends und Empfehlungen auftauchen und Weblinks beim Hochladen blockiert werden.

Facebook hatte bereits im Mai 20 Accounts und fünf Seiten entfernt, die QAnon zugerechnet werden. Zur Begründung hieß es, sie hätten gegen das Verbot „nicht-authentischen Verhaltens“ bei dem Online-Netzwerk verstoßen.

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