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Donald Trump nimmt ein Malaria-Mittel gegen das Coronavirus und löst damit wieder einmal weltweit Kopfschütteln aus. Jetzt sagt der US-Präsident: Warnungen vor dem Mittel seien Tricks seiner politischen Gegner.

US-Präsident Donald Trump nimmt in der Corona-Krise seit knapp zwei Wochen zur Vorbeugung gegen Covid-19 das Medikament Hydroxychloroquin ein - täglich eine Tablette. „Was hat man zu verlieren?“, sagte er dazu am Montag vor Journalisten und löste damit einen Sturm des Entsetzens unter Ärzten aus. Sie halten das Mittel für durchaus gefährlich – sogar potenziell lebensgefährlich – wenn man es ohne ärztliche Kontrolle einnimmt und fürchten Nachahmer.

Doch für Trump gibt es scheinbar kein Zurück: Laut CNN hat er sich bei einer Kabinettssitzung am Dienstag (Ortszeit) erneut dazu geäußert. So behauptet er – fälschlicherweise – es gebe keine Warnung der Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA vor dem Medikament.

Trump streitet alle Warnungen vor Hydroxychloroquin ab

Die gibt es aber sehr wohl, wie CNN berichtet: Am 24. April hatte die Behörde ausdrücklich davor gewarnt, Hydroxychloroquin außerhalb einer Krankenhausbehandlung oder einer medizinischen Studie zu nehmen.

Zusätzlich gibt es noch eine Studie, die unter an Covid-19 erkrankten Kriegsveteranen durchgeführt wurde. Der zufolge half Hydroxychloroquin kein bisschen. Trump sagt, die Studie, die tatsächlich nur in einem kleinen Patientenkreis durchgeführt wurde, tauge nichts und sei ein Werk von Gegnern seiner Regierung.

Malariamittel ein „Geschenk Gottes“

Schon seit Wochen preist Trump – im Widerspruch zu vielen Ärzten – das Mittel Hydroxychloroquin als „Geschenk Gottes“ an. Woher er diese Überzeugung hat, weiß wohl niemand so genau. Er selbst sagt, er habe „sehr gute Dinge“ über das seit Langem zugelassene Malaria-Präparat gehört und nehmen jeden Tag eine Tablette.

Trump glaubt offenbar, dass durch das Mittel eine durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 weniger gravierend ausfallen würde. Trump behauptet, er habe dazu viele Anrufe bekommen und viele Ärzte und Krankenschwestern nähmen es auch vorsorglich ein.

Brasilien zieht mit Trump mit

Neuerdings empfiehlt auch die Regierung von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro das Mittel. Ihm wird – wie Trump – vorgeworfen, die Krankheit sträflich zu verharmlosen. Die Patienten in Brasilien sollen das Mittel übrigens auf eigene Gefahr nehmen: Die Patienten müssten eine Verzichtserklärung unterschreiben, in der sie bestätigen, dass sie über mögliche Nebenwirkungen einschließlich Herz- und Leberproblemen sowie Schäden an der Netzhaut informiert wurden, hieß es

Ärzte: Keine Daten zur Wirksamkeit bei Covid-19

Mehrere Ärzte warnten am Dienstag umgehend davor, es dem Präsidenten gleich zu tun. „Es gibt keinerlei Daten dazu, dass eine vorbeugende Prophylaxe das Coronavirus aufhält“, schrieb beispielsweise David Boulware von der University of Minnesota. „Es könnte so sein oder auch nicht. Wir wissen es nicht.“ So solle man Hydroxychloroquin höchstens im Rahmen einer medizinischen Studie nehmen.

There are no data that pre-exposure prophylaxis is effective to prevent coronavirus. It may be. It may not be. We do not know. The only way I would recommend taking #hydroxychloroquine is within a clinical trial. We began a clinical trial on April 6 to test this exact question

Potenziell tödliche Herzrhythmusstörungen

Gegenwärtig laufen mehrere Studie zur Klärung der Frage. Das Weiße Haus wiederum veröffentlichte am Montagabend ein Schreiben von Trumps Leibarzt Sean Conley, wonach Trump und er nach zahlreichen Diskussionen zu dem Schluss gekommen seien, dass mögliche Vorteile einer Behandlung mit Hydroxychloroquin die damit verbundenen Risiken überwiegen.

Diese bestehen vor allem in schwerwiegenden und potenziell tödlichen Herzrhythmusstörungen. Und dass Menschen das Verhalten des Präsidenten einfach nachahmen.

So war es auch schon bei Trumps letztem medizinischen „Coup“ gewesen: Ende April hatte Trump darüber schwadroniert, man könne Infizierten womöglich Desinfektionsmittel spritzen oder „Licht in ihren Körper“ bringen. Kurz darauf war er zurückgerudert. Bis dahin sollen allerdings schon mehrere Menschen mit der Einnahme von Desinfektionsmitteln experimentiert haben.

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