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Der Kremlkritiker Alexej Nawalny ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Auch wenn es ihm wieder besser geht, gibt es noch viele offene Fragen in dem Vergiftungs-Fall.

Einen Monat nach seiner Einlieferung in die Berliner Charité ist der vergiftete russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny aus der stationären Behandlung entlassen worden. Das teilte das Krankenhaus am Mittwoch mit.

Langzeitfolgen der Vergiftung noch unklar

Der Gesundheitszustand des 44-Jährigen habe sich bis zu seiner Entlassung am Dienstag „soweit gebessert, dass die akutmedizinische Behandlung beendet werden konnte“, hieß es. Die behandelnden Ärzte halten demnach eine vollständige Genesung „aufgrund des bisherigen Verlaufs und des aktuellen Zustandes“ von Nawalny für möglich.

Jedoch könnten eventuelle Langzeitfolgen erst im weiteren Verlauf beurteilt werden, erklärte die Charité weiter.

Nawalny wurde 32 Tage in Berlin behandelt

Nawalny war am 22. August nach Berlin gebracht worden, nachdem er zwei Tage zuvor während eines Flugs in Russland zusammengebrochen war. Insgesamt wurde er 32 Tage in der Klinik behandelt – davon 24 Tage auf einer Intensivstation.

Nach Angaben der Bundesregierung wurde Nawalny „zweifelsfrei“ mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet. Russland weist den Verdacht zurück.

Erklärung zum Fall #Nawalny: Die Bundesregierung hat die @OPCW in die Analyse von Beweismitteln einbezogen. Außerdem haben zwei weitere internationale Labore den Nachweis eines Nervenkampstoffes aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache der Vergiftung erbracht. https://t.co/oCZ0SAqyzV

Wann und wie wurde Nawalny vergiftet?

Zunächst war man davon ausgegangen, dass Nawalny am Flughafen vergifteten Tee getrunken hat. Doch offenbar gelangte das Gift bereits vorher in seinen Körper. Nawalnys Team teilte Mitte September mit, dass Nawalny bereits zuvor in einem Hotel in der sibirischen Stadt Tomsk vergiftet worden sei. Sie veröffentlichten auf Instagram ein Video. Darin wird erklärt, dass Spuren des verbotenen Nervengiftes aus der Gruppe Nowitschok an einer Wasserflasche aus Nawalnys Zimmer nachgewiesen worden seien.

In dem Video sieht man, wie die Mitarbeiter aus Nawalnys Filmteam sein Zimmer trotz Warnungen einer Hotelangestellten durchsuchen. Mehrmals sind Wasserflaschen zu sehen. Sein Team trägt Handschuhe und verpackt die Flaschen in Plastiktüten:

Откуда взялась злосчастная бутылка? Давайте объясним, откуда взялось то, про что нам непрерывно задают вопросы. Так называемая “бутылка с «Новичком»”, ну, а точнее, обычная пластиковая бутылка из-под воды, на которой потом в немецкой лаборатории обнаружили следы боевого отравляющего вещества.  Это бутылка из номера в томской гостинице, где останавливался сам Навальный и вся наша съемочная группа.  Перенесемся обратно в 20 августа. В этот день часть нашей команды улетела в Москву, часть осталась в Томске доделывать видео. В полете Алексей потерял сознание и начал задыхаться, самолёт экстренно сел. Почти сразу сотрудники ФБК, которые остались в Томске, узнали о случившемся. В этот момент была сделана единственно возможная вещь. Они вызвали адвоката, поднялись в номер, из которого только что выехал Навальный, и начали фиксировать, описывать и упаковывать все, что там нашли. В том числе, и бутылки из-под гостиничной воды.  Как это происходило, вы можете посмотреть на этом видео.  Никакой особой надежды что-то такое обнаружить не было. Но поскольку нам было абсолютно ясно, что Навальный не “слегка заболел”, не “перегрелся” и Рафаэлкой здесь не поможешь, было решено забрать все, что может хоть как-то гипотетически пригодиться, и передать это врачам в Германии. То, что дело расследовать в России не будут, тоже было достаточно очевидно. Так и вышло: прошел почти месяц, Россия так и не признала отравление Алексея. Спустя две недели именно на бутылке из томского номера немецкая лаборатория обнаружила следы «Новичка». А потом еще две лаборатории, которые брали анализы у Алексея, подтвердили, что Навальный был отравлен именно им. Теперь мы понимаем: это было сделано до того, как он покинул свой номер, чтобы поехать в аэропорт. Сегодня в 20.00 в передаче «Россия Будущего» на ютюб-канале Навальный LIVE Георгий Албуров @alburov расскажет подробности.

Nawalnys Team: Nachweis aus deutschem Labor

In dem Instagram-Post heißt es, ein deutsches Labor habe die Nowitschok-Spuren an der Wasserflasche nachgewiesen. Zu der Durchsuchung des Zimmers hätte sich sein Team entschieden, unmittelbar, nachdem sie über den Gesundheitszustand Nawalnys informiert wurden.

Der Kremelkritiker war am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Die Maschine landete deswegen in Omsk zwischen. Dort wurde Nawalny im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und zwei Tage später nach Deutschland ausgeflogen.

Nawalny meldet sich auf Instagram zurück

Auch Nawalny selbst meldete sich auf Instagram aus dem Krankenhaus und berichtete über seinen Zustand. Er berichtete, dass er selbstständig atmen könne. Das tue gut, so der 44-Jährige. Außerdem schreibt Nawalny: „Ich vermisse euch“.

Привет, это Навальный. Скучаю по вам 😍. Я все ещё почти ничего не умею, но вот вчера смог целый день дышать сам. Вообще сам. Никакой посторонней помощи, даже простейший вентиль в горле не использовал. Очень понравилось. Удивительный, недооценённый многими процесс. Рекомендую

Auf dem Foto, das er zu dem Statement postete, ist seine Frau Julia, von der er umarmt wird. Auch seine beiden Kinder sind darauf zu sehen.

Diskussion über Baustopp von Nord Stream 2

Der Fall Nawalny hat weitreichende Auswirkungen. Nachdem es von Seiten der Bundesregierung hieß, dass bei dem russischen Regierungskritiker „der zweifelsfreie Nachweis“ eines chemischen Nervenkampfstoffes aus der Nowitschok-Gruppe erbracht worden sei, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Russland mit deutlichen Worten auf, den Giftanschlag aufzuklären. Nawalny sei einem Verbrechen zum Opfer gefallen und habe zum Schweigen gebracht werden sollen, so Merkel.

In Deutschland wurde als Reaktion darauf ein Stopp des umstrittenen Gaspipeline-Projekts Nord Stream 2 gefordert. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte in der Bild am Sonntag vom 6. September:

Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die Russen uns zwingen, unsere Haltung zu Nord Stream 2 zu ändern.

Heiko Maas, Bundesaußenminister

Baustopp würde auch Deutschland schaden

Maas räumte allerdings auch ein, dass ein Stopp der fast fertig gebauten Pipeline auch deutschen und europäischen Firmen schaden würde: „Wer das fordert, muss sich der Konsequenzen bewusst sein. An Nord Stream 2 sind mehr als 100 Unternehmen aus zwölf europäischen Ländern beteiligt, etwa die Hälfte davon aus Deutschland.“

Trotzdem sei das Verbrechen an Nawalny ein so schwerwiegender Verstoß gegen das internationale Chemiewaffen-Abkommen, dass es nicht ohne eine spürbare Reaktion bleiben könne. „Wenn wir über Sanktionen nachdenken, sollten diese möglichst zielgenau wirken.“

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Alexej Nawalny gehört zu den schärfsten Kritikern von Kremlchef Wladimir Putin. Auf ihn wurden in der Vergangenheit schon mehrere Anschläge verübt.

Auch der ehemalige russische Spion Sergej Skripal und dessen Tochter sind 2018 in Großbritannien mit Nowitschok vergiftet worden. Beide überlebten nach Wochen in kritischem Zustand, eine Anwohnerin kam ums Leben. Weil das Gift aus Sowjet-Zeiten nach Angaben westlicher Experten ausschließlich in Russland hergestellt worden ist, wurde die russische Regierung für den Fall verantwortlich gemacht. Die wies das zurück.

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