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Jahrelang trieb Joseph James DeAngelo in Kalifornien sein Unwesen: Er tötete, folterte, stahl und betrog – und wurde erst vor zwei Jahren geschnappt. Jetzt hat sich der 74-Jährige schuldig bekannt.

Dass Ex-Cop Joseph James DeAngelo zu so grausamen Taten fähig ist, sieht man dem 74-Jährigen nicht an: In einem Rollstuhl wurde er in den Gerichtssaal geschoben. Dass er ein Häftling ist, konnte man erst einmal nur daran erkennen, dass er orangefarbene Gefangenenkleidung trug.

Spätestens bei seinen Schuldgeständnissen war dann aber klar, dass DeAngelo einer der brutalsten Serienkiller in der US-Geschichte ist. „Schuldig“ sagte er immer wieder mit schwacher, krächzender Stimme auf jeden der 13 Mordvorwürfe und genauso vieler Anklagen wegen Entführung.

Jüngstes Opfer des „Golden State Killers“ war 13 Jahre alt

Die Anwesenden im Gericht mussten sich am Montag grausame Details anhören. Das jüngste Opfer von DeAngelo beispielsweise war 13 Jahre alt. Ein junges Paar, das DeAngelo umbrachte, hatte erst Monate vor seinem Tod geheiratet. Unter den Toten war auch eine Frau aus Frankfurt, die 1981 in Irvine erschlagen in ihrem Bett gefunden wurde. DeAngelos letztes bekanntes Opfer war eine 18-Jährige, die 1986 vergewaltigt und ermordet wurde.

„Golden State Killer“ (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Rich Pedroncelli/AP/dpa)
Joseph James DeAngelo hat gestanden, 13 Menschen getötet zu haben. picture alliance/Rich Pedroncelli/AP/dpa

Staatsanwälte aus sechs Bezirken sprachen darüber, wie DeAngelo seine Opfer gequält und getötet hat. Zum Teil hatten sie Tränen in den Augen. Mehr als 160 Verbrechen von Vergewaltigung bis Raub und Einbruch sind schon verjährt. Trotzdem zog sich die erste Anhörung vor Gericht in Sacramento stundenlang hin.

Bezirks-Staatsanwältin: „Reale lebendige Version von Hannibal Lecter“

Am Ende des Tages sagte Bezirks-Staatsanwältin Anne Marie Schubert, DeAngelo sei die „reale lebendige Version von Hannibal Lecter“. Der 74-Jährige sei „ein grausamer, intelligenter, sadistischer Serienmörder“. Damit spielte Schubert auf Anthony Hopkins Glanzrolle als den Kannibalen und Massenmörder Dr. Hannibal Lecter aus den Hollywood-Krimis „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und „Roter Drache“ an.

Dr. Hannibal Lecter (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa)
Anthony Hopkins als Dr. Hannibal Lecter in „Roter Drache“ picture-alliance / dpa

Mehr als zehn Jahre versetzte DeAngelo Kalifornien in Angst und Schrecken. Seine Taten waren kaltblütig und grausam, in die Geschichte ging er als der „Golden State Killer“ ein. Seinen ersten Mord beging er 1975. Es folgten Dutzende Vergewaltigungen in Nordkalifornien, dann eine brutale Mordserie im Süden des Staates.

DeAngelo: „Innere Stimme hat mich gezwungen“

Zum Motiv des Serienkillers sagte Staatsanwalt Thien Ho, DeAngelo habe bei einem Polizeiverhör im April 2018 von einer inneren Persönlichkeit namens „Jerry“ gesprochen. Der habe ihn zu seinen Taten gezwungen. „Jerry“ sei ein Teil von ihm gewesen, den er lange nicht losgeworden sei.

Dann sei es ihm aber doch gelungen und er habe dann ein glückliches Leben geführt. „Ich habe alle diese Sachen getan“, zitierte Ho den Festgenommenen. „Ich habe alle ihre Leben zerstört. Deshalb muss ich jetzt den Preis bezahlen.“

Zufall hilft bei Ermittlungen

DeAngelo trug bei seinen Taten oft eine Skimaske und schreckte seine Opfer mit einer grellen Taschenlampe auf. Bei seinen Streifzügen hatte er meist Messer, Pistolen, Seile und Schnürsenkel dabei. Er fesselte Ehemänner, vergewaltigte Frauen und brachte schließlich beide um, nachdem er sie stundenlang quälte. Er blieb nach den Morden oft noch an den Tatorten, plünderte den Kühlschrank und ließ Gegenstände aus den Häusern mitgehen.

An vielen Tatorten hinterließ er DNA-Spuren, die man ihm aber lange Zeit nicht zuordnen konnte. Nur durch einen Zufall kamen Polizisten auf seine Spur: Die Ermittler fanden auf einer Plattform für Ahnenforschung einen Verwandten des 74-Jährigen, der ein ähnliches genetisches Profil wie DeAngelo aufwies.

Festnahme 30 Jahre nach letztem Mord

Im April 2018 wurde DeAngelo in einem Vorort von Sacramento festgenommen – drei Jahrzehnte nach seinem letzte Mord. Der geschiedene Ex-Polizist hatte bis dahin unauffällig bei einer seiner drei Töchter gelebt.

Um die Todesstrafe kommt DeAngelo wohl herum: Durch sein Geständnis soll der 74-Jährige im August zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden. Den überlebenden Opfern und Angehörigen der Ermordeten bleiben damit ein langer Prozess und quälende Aussagen erspart.

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