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Die griechische Polizei hat am Donnerstagmorgen damit begonnen, die verbliebenen Migranten aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria zu holen. Sie sollen in ein neues, provisorisches Zeltlager ziehen, das die Behörden errichtet haben.

„Bisher läuft alles friedlich ab“, sagte der Mainzer Arzt Gerhard Trabert, der mit einer Hilfsorganisation vor Ort ist, der Deutschen Presse-Agentur. Trabert schätzt, dass sich noch mehrere Tausend Menschen in und um das zerstörte Lager herum aufhalten.

Migranten haben Angst vor neuem Lager

„Wir müssen die Menschen in das neue Lager holen; wenn sie auf der Straße ausharren, ist das eine Bombe in Sachen Hygiene“, sagte der Chef der griechischen Gesundheitsbehörde (EODY), Panagiotis Arkoumaneas, am Donnerstagmorgen dem griechischen Radiosender Skai. Im Einsatz seien rund 170 Beamte. In das neue Zeltlager Kara Tepe sind bisher rund 2.000 Menschen eingezogen, nachdem beim Brand von Moria vergangene Woche 12.000 Migranten obdachlos geworden waren. Viele haben Angst, das neue Lager zu beziehen; sie befürchten, dort eingesperrt zu werden und fordern stattdessen, von der Insel aufs Festland gebracht zu werden.

Unzählige Zelte stehen auf Lesbos bereit zur Unterbringung von Migranten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/-/Migrationsministerium/dpa)
Griechische Behörden bauten zuvor ein neues Zeltlager für Flüchtlinge auf Lesbos auf. picture alliance/-/Migrationsministerium/dpa

Betroffener erzählt von Lage vor Ort

Die Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben am Mittwochabend erneut ein Schlaglicht auf die Zustände an den EU-Außengrenzen geworfen. In der Mini-Doku „A short story of Moria“ schilderte eine Viertelstunde lang ein Migrant auf Englisch, unter welch widrigen Bedingungen er auf dem Mittelmeer nach Europa kam und welch unwürdige Zustände er antraf. „Mein Name ist Milad Ebrahimi, ich bin 21 Jahre alt und komme aus Afghanistan.“ Im Videocall erzählte der junge Mann, der Joko zufolge seit Januar dort ist, von den katastrophalen Bedingungen in dem inzwischen bei einem Feuer zerstörten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

Am 8. September ist ein Feuer in #Moria ausgebrochen. Seit dem Feuer haben sich für die dort untergebrachten 13.000 Menschen die ohnehin schon schrecklichen, unwürdigen Lebensumstände dramatisch verschlechtert. Bereits vor dem Brand standen wir mit Bewohner*innen und Helfer*innen des Camps in Kontakt, um für diese 15min zu recherchieren. So haben wir auch Milad kennen gelernt. Er ist 21 Jahre alt und wohnt seit Januar in Moria. Er hat uns per Video-Call seine Geschichte erzählt. Vielleicht können diese 15min ein Stück dazu beitragen, dass zukünftig mehr Menschen Bescheid wissen, wenn man den Begriff Moria hört oder liest. Das ist „A short story of Moria“ #MoriaStory #JKLive

Bundesregierung will 1.553 Menschen aus ehemaligem Lager aufnehmen

Diese Woche war bekannt geworden, dass die Bundesregierung 1.553 weitere Geflüchtete aus Griechenland in Deutschland aufnehmen will. Darauf haben sich die Union und die SPD geeinigt, sagte Vize-Kanzler Olaf Scholz von der SPD. Es handle sich um 408 Familien mit Kindern. Sie kommen von fünf griechischen Inseln. Dies sei der zweite Schritt. Jetzt sei es notwendig, an einer europäischen Gesamtregelung zu arbeiten, an der sich Deutschland ebenfalls beteiligen werde entsprechend der eigenen Kraft und Größe, kündigte der SPD-Kanzlerkandidat am Dienstag in Berlin an. Er betonte mit Blick auf die einstigen verheerenden Zustände im Moria-Camp, man sei nicht einverstanden damit, wenn Unterkünfte betrieben würden, die nicht den Prinzipien entsprächen, die hierzulande wichtig seien.

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass Deutschland nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos bis zu 150 unbegleitete Minderjährige aufnehmen will. Scholz kündigte einen dritten Schritt an: Sobald es Vereinbarungen mit anderen europäischen Staaten gebe, könnte auch Deutschland möglicherweise auch noch weitere Menschen aufnehmen.

Das Statement von Horst Seehofer dazu im Video:

Bereits vor einigen Tagen hatten sich zehn Kommunen bereit erklärt, minderjährige Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Die Oberbürgermeister von Freiburg, Bielefeld, Düsseldorf, Gießen, Göttingen, Hannover, Köln, Krefeld, Oldenburg und Potsdam seien bereit, „einen humanitären Beitrag zu einer menschenwürdigen Unterbringung der Schutzsuchenden in Europa“ zu leisten. Das schrieben sie in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Polizei nimmt fünf mutmaßliche Brandstifter fest

Die griechischen Sicherheitskräfte hatten unterdessen fünf mutmaßliche Brandstifter festgenommen, die vergangene Woche das Registrierlager auf Moria in Brand gesetzt haben sollen. Dies teilte der griechische Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, am Dienstag mit. „Die Brandstifter sind festgenommen. Es sind junge Migranten. Ein weiterer wird noch gesucht“, sagte er im Staatsradio (ERT).

Aus Kreisen der Polizei hieß es, die fünf mutmaßlichen Brandstifter seien Afghanen, deren Asylanträge abgelehnt worden waren. Griechische Medien berichteten, zwei der mutmaßlichen Brandstifter seien nicht auf Lesbos, sondern in Nordgriechenland festgenommen worden. Es handele sich um Minderjährige, die einen Tag nach dem Großbrand nach Nordgriechenland ausgeflogen worden waren, um sie zu schützen, und die von anderen Staaten der EU aufgenommen werden sollten, berichtete der Athener Fernsehsender Mega unter Berufung auf Kreise der Polizei.

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